Abfallwirtschaft

Das Thema Abfallwirtschaft in Bezug auf die Kreislaufwirtschaft ist gerade in aller Munde. Was man unter einer Kreislaufwirtschaft versteht und wie Unternehmen diese in ihren Betrieb integrieren können, ist in diesem Artikel nachzulesen. Heute wollen wir einen Schritt zurückgehen und die Abfallwirtschaft an sich genauer betrachten. Wir alle produzieren täglich Müll und entsorgen diesen. Hinter der Abfallwirtschaft steckt aber so viel mehr als die bloße Entsorgung. In diesem Artikel werden wir die Abfallwirtschaft genauer beleuchten sowie einfache und schnell umsetzbare Möglichkeiten für Unternehmen aufzeigen und wie diese effizient in ihren Betrieb zu integrieren sind.

Abfallwirtschaft auf gesetzlicher Ebene

Im Jahr 2008 wurde die Abfallrahmenrichtlinie von der Europäischen EU verabschiedet mit dem Ziel, die Umwelt zu schützen sowie menschliche Gesundheit zu gewährleisten. Die Richtlinie wird von den europäischen Mitgliedsstaaten durch nationale Gesetze umgesetzt. In Österreich ist das das Abfallwirtschaftsgesetz (AWG 2002). Dabei kann jeder Mitgliedsstaat die eigene Vorgehensweise selbst bestimmen, um die Anforderungen zu erfüllen. Im AWG 2002 sind alle Vorgaben, Ziele sowie Maßnahmen des österreichischen Abfallrechts nachzulesen. Als Vorlage zur Maßnahmen- und Strategieerstellung gilt die in der Richtlinie verankerte Abfallhierarchie, welche eine Prioritätsreihenfolge darstellt, wie mit Abfällen umzugehen ist. Diese soll in der Gesetzgebung und Politik herangezogen werden. Die Pyramide ist umgekehrt abgebildet, wobei die oberste Ebene die bevorzugte Option darstellen soll und die untere Ebene nur als letzter Ausweg dienen soll.

Abfallwirtschaft & Abfallhierarchie

Die Abfallhierarchie wird in 5 Ebene gegliedert (siehe Abbildung):

  1. Vermeidung: Abfall nicht entstehen lassen
  2. Vorbereitung zur Wiederverwendung: Prüfung, Reinigung, Reparatur
  3. Recycling (=stoffliche Verwertung): Aufbereitung für den ursprünglichen Zweck oder für andere Zwecke  Materialeigenschaft bleibt erhalten
  4. sonstige Verwertung: energetische Verwertung sowie sonstige stoffliche Verwertung
  5. Beseitigung: alles, was nicht Verwertung ist (Verbrennung ohne ausreichende Energienutzung, Deponierung der Reststoffe)

Die Abfolge der Hierarchie soll stets eingehalten werden. Nur in begründeten Ausnahmefällen darf von der Reihenfolge abgewichen werden. Ein Beispiel dafür wäre, dass die Bearbeitung des Abfalls in einer unteren Ebene technisch oder wirtschaftlich sinnvoller ist. Es sollte also eher eine Ausnahme als der Regelfall sein.

Die Abfallhierarchie kann nicht nur auf Gesetzgebungsebene herangezogen werden, sondern auch als Leitfaden für den Umgang mit Abfällen in Unternehmen verwendet werden. Durch ein gutes betriebliches Abfallmanagement werden Umweltbelastungen reduziert, können Kosten eingespart sowie die Effizienz verbessert werden und es wird sichergestellt, dass alle abfallrechtlichen Vorschriften eingehalten werden.

Beispiele Abfallhierarchie

Folgend einige Beispiele wie die Hierarchie als Einstieg für ein betriebliches Abfallmanagement angewandt werden kann:

  1. Lasse Abfall gar nicht erst entstehen, denn kein Abfall ist immer der beste Abfall. Das kann erreicht werden, indem wiederverwendbare Produkte benutzt werden oder beim Einkauf von Produkten auf keine/wenige Verpackungsmaterialien gesetzt wird.
  2. Produkte und Gegenstände können mit der Zeit kaputt gehen, das ist ganz normal. Anstatt sie direkt zu entsorgen, versuche sie wiederzuverwenden. Darunter fällt beispielsweise, dass ein kaputter Gebrauchsgegenstand zur Reparatur gebracht wird.
  3. Manchmal können die angefallenen Produkte nicht bzw. nicht weiter wiederverwendet werden. Dann ist Recycling der nächste Schritt. Hierbei ist wichtig, dass eine korrekte Abfalltrennung und Entsorgung erfolgt. Hierfür wäre das Sammeln von Altpapier ein Beispiel. Durch die getrennte Sammlung und richtige Entsorgung kann Altpapier wieder zu Recyclingpapier aufbereitet werden. Dafür müssen aber auch ausreichende und korrekte Abfallbehälter für die getrennte Sammlung im Betrieb zur Verfügung stehen.
  4. Können die angefallenen Abfälle weder wiederverwendet noch recycelt werden, können diese energetisch verwertet werden, indem sie beispielsweise als Brennstoff genutzt werden. In Produktionsunternehmen kann dadurch Wärme oder Strom für die Produktion erzeugt werden. Dieses Vorgehen ist aber nur für spezielle Branchen geeignet.
  5. Ist keine der oben genannten Optionen möglich, ist die Beseitigung der Abfälle die letzte mögliche Option. Auch hier ist es wieder notwendig, dass die Abfälle getrennt und richtig entsorgt werden.

Wie bei allen betrieblichen Maßnahmen ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden mit ins Boot geholt werden. Mit einer Schulung zum Thema Abfallmanagement können Mitarbeitende für die Thematik sensibilisiert werden. Hierbei kann auf Umwelt- und Kosteneinsparungen eingegangen werden. Gemeinsam kann ein Leitfaden für den Umgang mit Abfall erstellt werden. Wichtig dabei ist, dass sich alle an diesen Leitfaden halten und eine Vorbildfunktion einnehmen. Durch regelmäßige Feedbackrunden können neue Ideen zur Verbesserung des Systems generiert und umgesetzt werden.

Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, kann ein Abfallwirtschaftskonzept für den Betrieb erstellen.

Lara Hammerl, März 2023